Industrie schlägt Alarm: Immer mehr Betriebe vor dem Aus
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bleibt in Deutschland außergewöhnlich hoch. Nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH) dürfte sich daran vorerst wenig ändern.
Laut dem Insolvenztrend des IWH ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Juli 2026 gegenüber dem Vormonat zwar leicht zurückgegangen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat lag sie jedoch weiterhin um rund sieben Prozent höher.
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Anzahl der Insolvenzanträge von Unternehmen mit Handelsregistereintrag in Deutschland. Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
Keine Trendwende in Sicht
Im vergangenen Monat meldeten 1689 Unternehmen Insolvenz an. Besonders betroffen waren unternehmensnahe Dienstleister sowie der Finanz- und Versicherungssektor.
Nach Einschätzung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung bewegen sich die Unternehmensinsolvenzen damit weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Auf Basis eigener Frühindikatoren rechnen die Forscher auch im dritten Quartal 2026 mit mehr Firmenpleiten als im Vorjahr.
Insolvenzen treffen Tausende Beschäftigte
Mit der hohen Zahl an Unternehmensinsolvenzen steigt auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten. So waren im Juli allein bei den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen mehr als 13.000 Arbeitsplätze betroffen. Das entspricht einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber Sommer 2025 und liegt rund 47 Prozent über dem durchschnittlichen Juli.
Besonders betroffen ist die Industrie. Dort entfielen knapp 6000 der gefährdeten Arbeitsplätze. Zwar blieb die Zahl unter den Höchstständen zum Jahreswechsel 2024/2025, lag jedoch weiterhin über dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate.
Warnsignal für die deutsche Wirtschaft
Die Studie des IWH gilt als wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage Deutschlands. Bleiben die Unternehmensinsolvenzen über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau, deutet das darauf hin, dass viele Betriebe trotz erster Konjunkturhoffnungen weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen.
Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums für Wirtschaft und Energie belasten eine schwache Nachfrage, hohe Unsicherheit sowie gestiegene Energiepreise viele Unternehmen. Gleichzeitig bleiben Investitionen und die Entwicklung am Arbeitsmarkt verhalten. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen reagieren empfindlich auf eine schwache Nachfrage, steigende Kosten oder hohe Finanzierungsausgaben.
Eine spürbare Entspannung der Lage ist nach Einschätzung der Forscher derzeit nicht in Sicht. Das IWH rechnet mit steigenden Zahlen der Firmenpleiten auch in den kommenden Monaten.