Kultur

Das grüne Museum 2023 – Der Rückblick

Riesige Räume mit einer permanenten Temperatur von 20 Grad Celsius, außerdem reichlich Flugverkehr für Gemälde, Kuratoren und Kulturtouristen: So trägt der Kunstbetrieb zum weltweiten Klimawandel bei. Damit sich das ändert, müssen Museumsmacher, Künstler und Architekten umdenken. Mit dem Schwerpunkt „Nachhaltigkeit und Risiko – Die ökologische Transformation in Museen & Depots“ wieder konnte Das grüne Museum über 200 Verantwortliche aus Museen und museumsnahen Institutionen sowie Architekten, Bauingenieure & Co. auf den drei Veranstaltungsterminen begrüßen. Hier haben wir für Sie unsere persönlichen Highlights zusammengefasst.

 



Die Veranstaltungsreihe Das grüne Museum hat sich als Plattform etabliert. Die Qualität der Vorträge konnte noch weiter gesteigert werden, was sich eindrucksvoll in der Agenda dargestellt hat,“ so Bernhard Klier. Auch dieses Jahr diskutierten die Teilnehmer*innen in Berlin, Köln und München angeregt über über die Möglichkeiten von Klimaschutzzielen und Gefährdungsbeurteilungen sowie neue Nachhaltigkeitskonzepte für den Museums- und Depotalltag. Das grüne Museum stellt somit die einzige Plattform im deutschsprachigen Raum, die Experten und Museumsangehörige zum Austausch zusammenbringt und technische Lösungen praxisnah diskutiert.

Den Einstieg machten Dr. Stefan Simon & Dr. Johanna Leissner (Wissenschaftliche Repräsentantin der Fraunhofer Gesellschaft) und führten auch durch die einzelnen Veranstaltungstermine.
Mit ihrem Vortrag „Die EU OMC Expertengruppe Klimawandel und Kulturerbe“ machte Dr. Leissner den Einstieg in das Thema „Grünen Deal“. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind seit dem vergangenen Jahr zu einem Hauptthema im Kulturbereich und in der nationalen Kulturpolitik geworden. Zu den besonders aktuellen und relevanten Handlungsoptionen einer nachhaltigen Kulturpolitik gehört die Verknüpfung mit dem europäischen Green Deal.

Der Chemiker Stefan Simon leitet das Rathgen-Forschungslabor in Berlin, das wie die Neue Nationalgalerie zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört. Simon fordert schon seit längerem eine Green Task Force und mehr politische Initiativen für grüne – also umweltfreundliche – Museen. Er zeigt den Rückblick auf die internationale Debatte um das Grüne Museum seit 2010 auf, und gab Trends und Entwicklungen zur nachhaltigen Konservierung in Wissenschaft und Gesellschaft (Green New Deal) und Ausblick.

Nachhaltigkeit muss zum zentralen Bezugspunkt in der Museumspraxis werden – programmatisch, ökologisch und gesellschaftlich. Wo also anfangen?

 

 

Internationale Beispiele überzeugen

Michelle Stoddart wurde digital zugeschaltet und vertrat die Herangehensweisen der Science Museum Group aus Großbritannien. „SMG has a Net Zero target date of 2033.  To achieve this the organisation is working in a strategic and holistic way using the Science-Based Target Initiative, using innovative building solutions, sustainability frameworks and risk management approaches to help deliver our goal.“

Das Österreichische Umweltzeichen: Gemeinsam mit ICOM Austria (International Council of Museums), dem Österreichischen Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung und Verein für Konsumentenschutz wurde zwischen 2016-2018 eine Richtlinie für nachhaltige Qualitätsanforderungen an Museen und Ausstellungshäuser entwickelt. Bettina Leidl (Direktorin, MuseumsQuartier Wien) erläuterte anhand von allgemeinen und museumsspezifischen Kriterien, wie österreichische Museen ihren Betrieb auf Nachhaltigkeit umstellen.

Mit einem weiteren Beispiel aus Österreich ging es auch weiter. Tanja Kimmel spannte den Bogen im Rahmen ihrer Dissertation im Herbst – ein Pilotprojekt mit dem KHM-Museumsverband, bei dem zum ersten Mal in Österreich die THG-Emissionen eines Kunstdepots im laufenden Betrieb wissenschaftlich erhoben wurden.

 

Aber auch in Deutschland kommen wir voran…

Einen interessanten Einblick erhielten wir auch von Caren Jones. Das Museum Wiesbaden hat für die Jahre 2019 und 2020 eine Klimabilanzierung erstellt, an der (fast) das ganze Team beteiligt war. Es liegen nun präzise und verlässliche Daten aus den unterschiedlichsten Bereichen vor. Der ermittelte CO2 Verbrauch wurde durch Ausgleichsmaßnahmen neutralisiert und das Museum wurde für das Jahr 2020 als „Klimaneutrale Organisation“ zertifiziert.

„Ohne Klimaschutz kein Kulturgüterschutz!“ betont Museums For Future Germany. Von den Vertreterinnen bekamen wir einen guten Überblick über das Problem und die Dringlichkeit zum Handeln.

„Unser Geschäftsmodell ist die Ewigkeit!“ Matthias Mühling (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München) berichtete 2023 über die Arbeit des Lenbachhauses: gestern, heute und auch morgen und wie ein Museum auf dem Weg in die Klimaneutralität gebracht werden kann. Dieses Jahr zog er Bilanz und blieb „auf dem Boden der Tatsachen“.

Mit einem weiteren Beispiel aus der Praxis konnten Katharina Nettekoven, Dr. Nina Quabeck und Dr. Vivien Trommer (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen) überzeugen. Mit ihrer Keynote „Change we must“ zeigten sie auf, wie die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den Klima-Korridor etabliert.

»Reduce, reuse, recycle – Kompass nachhaltig Ausstellen«

Exponatzentriert, ressourcenoptimiert, bilanziert und weniger klimatisiert – Stefanie Dowidat zeigte auf, wie nachhaltiges Ausstellen die bisher gewohnte Herangehensweise, ihre Umsetzung und das Design von Ausstellungen verändert. Nachhaltiges Ausstellen bedeutet dabei mehr als das Bauen mit umweltfreundlichen Materialien. Insbesondere eine klare Zielstellung, in welchen Bereichen die Ausstellung nachhaltiger sein soll, setzt am Anfang wichtige Rahmenbedingen. Damit werden Ausstellungen nicht zwangsläufig teurer, brauchen aber reflektierte, ggf. längere Planungs- und Aushandlungsprozesse. Ausstellungen nachhaltiger denken heißt beispielsweise, die Ausleihe von Exponaten oder einen hohen Ressourcenverbrauch auf den Prüfstand zu stellen oder durch neue Kooperationen eine Weitergabe und klimafreundlichere Umsetzungen zu ermöglichen. Eine Projektbilanzierung nach der Ausstellung gibt zudem Aufschluss darüber, ob der CO2-Ausstoß gesenkt werden konnte.

Im Vortrag „#EHMforFuture. Ein Museum macht sich auf den Weg“ gab Dr. Felicia Sternfeld (Europäisches Hansemuseum Lübeck gGmbH) Einblicke, wie sich das Museum auf den Weg gemacht hat, seinen ökologischen Fußabdruck maßgeblich zu reduzieren, um der übergeordneten „Vision Zero“ möglichst nahe zu kommen: Von der Erfassung des Status quo über die Definition von Maßnahmen bis hin zur Evaluierung ihrer Wirksamkeit. Insbesondere wurde aufgezeigt, welche Schritte das Museum unternimmt, das Thema Klimabildung möglichst breit in seinen Bildungsformaten zu verankern, um mit dem eigenen Publikum in den intensiveren Austausch zu gehen.

 

Bauen für das kulturelle Erbe von morgen – Chance der Herausforderung

Die Notwendigkeit der Minimierung von Emissionen sowohl in der Erstellung als auch im Betrieb von Gebäuden und die Zukunftsfähigkeit des Bestandes stellen Bauschaffende und Betreibende vor große Herausforderungen. Beherrschte die letzten Jahrzehnte Effizienzsteigerung und Technologie das Bauwesen, stehen Suffizienz, Robustheit und die Frage „Wie wenig ist genug?“ im Mittelpunkt der aktuellen Diskussion. Damit ist das Bauen von Morgen mehr denn je eine Frage der Haltung als eine nach technischen Errungenschaften, so Prof. Elisabeth Endres (TU Braunschweig, Institut für Bauklimatik und Energie der Architektur).

 

 

Kunstlogistik und Nachhaltigkeit. Wie passt das zusammen?

Die Ausrichtung der Veranstaltungsreihe Das grüne Museum berücksichtigt neben Vorträgen aus der Museumspraxis auch die Industrieunternehmen, was durch die nächsten Beiträge sehr anschaulich verdeutlicht wurde.

Die Kunstlogistik trägt die Verantwortung der konservatorischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Beide Dimensionen werden bei hasenkamp von den drei Säulen der Kunstlogistik getragen: Transport, Lagerung und Verpackung. Schon seit vielen Jahren verfolgt hasenkamp den Weg, seine Fähigkeiten und Kapazitäten einer nachhaltigen Kunstlogistik kontinuierlich auszubauen.
Zum ersten Mal dieses Jahr war auch die Hygromatik GmbH vertreten. Wenn es um Befeuchtung in Museen geht, sind sie zur Stelle.
Energy Efficient Storage – wie energieeffiziente Depotplanung als Schlüssel zur ökologischen Verantwortung dienen kann, hörten wir von Alexander Prinz von Croÿ (Bruynzeel) – und das am Beispiel vom Zentraldepot.

 

 

Die Mittags- und Kaffeepausen wurden ausgiebig zum Networking und Austausch genutzt. „Herzlichen Dank für den inspirierenden Kongress. Wir haben für unser Projekt wertvolle Informationen und Kontakte knüpfen können und sind sehr angetan von Ihrem Catering mit Cerealien zum Frühstück.“ so eine Teilnehmerin. „Ein MUSS für jeden, die sich mit diesen Thematiken beschäftigen.“ So eine weitere Stimme aus dem Publikum. Insgesamt wurde die Veranstaltungsreihe Das grüne Museum wieder durchweg positiv bewertet. Es zeigte sich das das Thema Nachhaltigkeit und „grünes“ Museum im DACH-Bereich zum Teil noch nicht angekommen ist und ein weiter Weg zu beschreiten ist, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wir bedanken uns für die Expertise bei allen Referent:innen und Sponsoren. Wir bedanken uns auch ganz herzlich bei allen Teilnehmer:innen, die regen Diskussionen und auch Anregungen und aktuellen Thematiken. Das Thema Nachhaltigkeit in Museen, Depots und Archiven ist aktueller denn je. „Ich als Neueinsteigerin in der Museumswelt fand die Veranstaltung sehr gut und anregend. Die Themen klingen auf jeden Fall noch nach und werden auch bei uns im Haus weiterverfolgt. Herzlichen Dank für die Orga und es war auch toll, im Nachgang noch die Turner Ausstellung besuchen zu können.“, so eine Teilnehmerin vom Deutschen Museum.

Wir bleiben dran! Die Veranstaltungsreihe Das grüne Museum wird wieder mit drei Terminen im Jahre 2024 unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit und der präventiven Konservierung für Bereicherung und Einblicke sorgen.

 

Termine:

  • 26.09.2024 Berlin
  • 17.10.2024 Wien
  • 07.11.2024 Köln

Wir freuen uns drauf!