Finanzwesen

Maschinenbau-Krise trifft Weltmarktführer: Traditionsbetrieb nach 100 Jahren vor Insolvenz

Ein Weltmarktführer aus Thüringen hat Insolvenz angemeldet, da Kunden Aufträge reduzieren oder verschieben. Der Kampf um die Zukunft hat begonnen.

Die Eliog Industrieofenbau GmbH ist insolvent. Wie aus einer Unternehmensmitteilung hervorgeht, hat Stefan G. Mairiedl, seit April 2026 Sanierungsgeschäftsführer des Maschinenbauers, beim zuständigen Amtsgericht in Meiningen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.


Eliog Industrieofenbau ist insolvent: Forderungen und Verbindlichkeiten können nicht bedient werden

Dem Antrag wurde stattgegeben und Nicolai Fischer von White & Case wurde vom Amtsgericht zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Von der Maßnahme sind 74 Mitarbeitende betroffen, deren Löhne und Gehälter bis einschließlich Juni durch die Zahlung von Insolvenzgeld gesichert sind. Der Geschäftsbetrieb des Maschinenbauers läuft aktuell uneingeschränkt weiter.

„Der Antrag war geboten, da das Unternehmen Forderungen und fällige Verbindlichkeiten absehbar weder termingerecht noch vollständig begleichen kann“, begründet Mairiedl diesen Schritt. Die Kunden hätten intensiv diskutiert, geplante Aufträge reduziert oder diese ins kommende Jahr verschoben. Gemeinsam mit dem vorläufigen Sachwalter prüfe man alle Möglichkeiten, um die Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern auf einer stabilen Basis fortzuführen.


Eliog Industrieofenbau ist insolvent: Investor soll die Rettung bringen

„Ziel des Verfahrens ist es, die Substanz des Unternehmens zu erhalten, einen Sanierungsplan voranzutreiben und möglichst mit tatkräftiger Unterstützung eines Investors umzusetzen“, erklärt Dirk Eichelbaum von dhmp Restrukturierung. Er unterstützt das Unternehmen als Generalbevollmächtigter.

Eliog gilt als Weltmarktführer für maßgeschneiderte Industrieöfen und Wärmebehandlungsanlagen für Kunden aus verschiedenen Branchen. Dazu zählen die Automobil- und E-Mobilitätsindustrie, die Luft- und Raumfahrtindustrie, die Metallurgie, die Kunststoff-, Glas- und Elektronikindustrie.

Das Unternehmen wurde 1924 in Düsseldorf als Hersteller elektrischer Industrieöfen gegründet. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb 1943/44 nach Römhild im heutigen Thüringen verlagert. In der DDR firmierte das Unternehmen als VEB Elektro-Industrieofen- und Gerätebau. 2011 erfolgte die Übernahme durch die familiengeführte Rupprecht-Gruppe. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund acht Millionen Euro.


Weniger Beschäftigte in der Maschinenbaubranche: Stellenabbau setzt sich fort

Der Maschinenbau ist eine der deutschen Schlüsselbranchen und steckt seit Langem in einer Flaute. Das wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. Ende des vergangenen Jahres waren im Maschinen- und Anlagenbau gut eine Million Menschen beschäftigt. Das waren 2,2 Prozent oder rund 22.000 weniger als 2024. „Der Beschäftigtenabbau im Maschinen- und Anlagenbau setzt sich fort“, teilte der Branchenverband VDMA mit.

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht, in diesem Jahr soll der Stellenabbau weitergehen. Das ist auch eine Folge der steigenden Zahl der Insolvenzen. Beispiele hierfür sind die Antriebstechnik Saftig GmbH mit rund 110 Mitarbeitern, die Engmatec GmbH mit rund 150 Mitarbeitern und die Topex GmbH mit rund 50 Mitarbeitern.


Industrie baut Stellen ab: Automobilbranche am massivsten betroffen

Auch in der deutschen Industrie hält der Stellenabbau an. Laut dem EY-Industriebarometer sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen im Laufe des Jahres 2025 um 124.100 beziehungsweise 2,3 Prozent. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Stellen gestrichen wurden.

Am stärksten fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus. Im vergangenen Jahr gingen dort fast 50.000 Jobs verloren. Damit schrumpfte die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche um 6,5 Prozent.

(Quellen: Unternehmensmitteilung, EY Deutschland, VDMA)

 

Quelle: merkur.de