Kultur

Multaka – Museum als Treffpunkt: Wie partizipative Vermittlung kulturelle Teilhabe neu definiert

Museumsvermittlung, Partizipation und kulturelle Teilhabe stehen im Zentrum aktueller Debatten zur Zukunft von Museen. Immer stärker rückt dabei die Frage in den Fokus, wie Museen nicht nur Wissen vermitteln, sondern als offene, inklusive und diskursive Orte wirken können. Ein Projekt, das diese Entwicklung beispielhaft verkörpert, ist Multaka – Museum als Treffpunkt.

Multaka zeigt, wie partizipative Vermittlungsarbeit Museen strukturell verändern kann und warum Teilhabe mehr ist als Barrierefreiheit oder Zielgruppenprogramme.


Museumsvermittlung im Wandel: Von Vermittlung für zu Vermittlung mit dem Publikum

Traditionelle Museumsvermittlung folgt häufig einem klaren Sender-Empfänger-Modell: Expert:innen vermitteln Inhalte, Besucher:innen rezipieren. Dieses Modell stößt jedoch an Grenzen, wenn Museen gesellschaftlich relevanter, diverser und inklusiver werden wollen.

Partizipative Museumsvermittlung setzt hier an. Sie versteht Besucher:innen nicht als homogene Zielgruppe, sondern als aktive Akteur:innen, deren Perspektiven, Erfahrungen und Wissensbestände Teil des Museums werden. Genau an diesem Punkt setzt Multaka an.


Was ist Multaka? Ein Vermittlungsprojekt mit gesellschaftlicher Reichweite

Multaka – Museum als Treffpunkt wurde 2015 in Berlin initiiert und wird unter anderem von den Staatlichen Museen zu Berlin getragen. Das Projekt richtet sich an Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung, die im Rahmen von Multaka selbst zu Museumsvermittler:innen werden.

Der Ansatz ist konsequent partizipativ:

  • Multaka-Guides entwickeln Führungen aus ihrer eigenen Perspektive
  • sie wählen Objekte aus den Sammlungen aus
  • sie stellen Bezüge zwischen kulturellem Erbe, Gegenwart und eigenen Biografien her
  • sie vermitteln in mehreren Sprachen (z. B. Arabisch, Farsi, Türkisch)

Das Museum wird so zum Ort des Austauschs, nicht nur der Wissensvermittlung.


Partizipation als Kern der Vermittlungsarbeit

Ein zentrales Merkmal von Multaka ist, dass Partizipation nicht additiv, sondern strukturell gedacht wird. Die Beteiligten sind nicht lediglich Vermittlungsassistenz oder Repräsentant:innen einer Zielgruppe, sondern Mitgestaltende des Museumsangebots.

Diese Form der Co-Kreation wirkt auf mehreren Ebenen:

  • Inhalte werden multiperspektivischer
  • Sammlungen erhalten neue Bedeutungszuschreibungen
  • Besucher:innen erleben das Museum als dialogischen Raum

Gleichzeitig entsteht für die beteiligten Guides kulturelle, soziale und berufliche Teilhabe – etwa durch Qualifizierung, Sichtbarkeit und institutionelle Anerkennung.


Museen als offene und diskursive Orte

Multaka steht exemplarisch für ein erweitertes Museumsverständnis:
Museen sind nicht nur Orte des Bewahrens, sondern Orte gesellschaftlicher Aushandlung.

In den Führungen werden Fragen verhandelt wie:

  • Wem gehört kulturelles Erbe?
  • Wie werden Geschichten erzählt – und von wem?
  • Welche Perspektiven fehlen in klassischen Narrativen?

Damit leistet Multaka einen Beitrag zu einer kritischen, reflexiven Museumsarbeit, die gesellschaftliche Vielfalt nicht nur abbildet, sondern aktiv einbindet.


Vermittlung als strategisches Instrument der Museumsentwicklung

Ein oft unterschätzter Aspekt: Multaka ist kein isoliertes Vermittlungsprojekt, sondern wirkt auf die Institution Museum selbst zurück.

Viele beteiligte Häuser berichten von:

  • veränderten Vermittlungskonzepten
  • größerer Sensibilität für Sprache und Zugänglichkeit
  • neuen Kooperationsformen mit Communities
  • stärkerer Verankerung von Vermittlung in strategischen Prozessen

Vermittlung wird hier zum Motor institutioneller Öffnung – nicht zum Anhängsel von Ausstellungen.


Übertragbarkeit und internationale Wirkung

Multaka ist längst über Berlin hinausgewachsen. Das Projekt wurde international adaptiert und gilt als Best-Practice-Beispiel für partizipative Museumsarbeit.

Besonders relevant ist Multaka für Museen, die:

  • kulturelle Teilhabe nachhaltig verankern möchten
  • neue Zielgruppen nicht nur erreichen, sondern einbinden wollen
  • Vermittlung als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung verstehen

Der Ansatz ist dabei nicht an bestimmte Sammlungen gebunden, sondern prinzipiell übertragbar – vorausgesetzt, Partizipation wird ernst gemeint.


Fazit: Warum Multaka ein Schlüsselprojekt für zeitgemäße Museumsvermittlung ist

Multaka zeigt eindrucksvoll, wie Museumsvermittlung zwischen Inklusion, Partizipation und Teilhabe gestaltet werden kann. Das Projekt macht deutlich:

  • Teilhabe entsteht durch Mitgestaltung
  • Vermittlung ist ein strategisches Werkzeug
  • Museen gewinnen an Relevanz, wenn sie Perspektiven teilen

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Transformation bietet Multaka ein starkes Modell dafür, wie Museen zu offenen, lernenden und dialogischen Orten werden können.


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Quellen & weiterführende Informationen