Finanzwesen

Restrukturierungsnews: Galeria, Reno, Falkensteg

Die Kaufhauskette Galeria steht vor einer massiven Restrukturierung, die Reno-Mutter verkauft ihre Schuhhandelskette und Falkensteg bekommt Verstärkung – die aktuellen Restrukturierungsnews hier im Überblick.

 

Foto: Martin Debus – stock.adobe.com

 

Galeria steckt in der Krise

Die Kaufhauskette Galeria hat vergangene Woche eine umfassende Restrukturierung angekündigt. Konkret soll es einen Einstellstopp für Aushilfen im Weihnachtsgeschäft geben. Zudem soll jeder Auftrag, der nicht zwingend nötig ist, storniert werden. Außerdem sei laut Galeria-CEO Miguel Müllenbach eine Restrukturierung der Konzernfinanzen geplant. „Wir werden unseren Weg nur erfolgreich fortsetzen können, wenn es uns gelingt, die Finanzierung von Galeria neu zu strukturieren und dem Unternehmen neues, frisches Kapital zuzuführen“, schrieb Müllenbach laut „Manager Magazin“ in einem Brief an seine Mitarbeiter.

Als weitere Konsequenzen werden laut dem Müllenbach-Brief die Löhne der Beschäftigten eingefroren und dazu Tarifverträge mit der Gewerkschaft Verdi gekündigt. Den Konzern setzen die stark gestiegenen Energiepreise sowie die gesunkene Konsumlust der Kunden finanziell unter Druck.

Nicht nur Galeria befindet sich derzeit in einer kniffligen Lage: Der gesamte Retail-Sektor blickt gebangt auf die kommenden Monate, die Geschäftserwartungen befinden sich auf einem historischen Tief.

 

HR Group verkauft angeschlagene Tochter Reno

Die HR Group, bislang Eigentümerin der Reno-Filialen, verkauft ihre Tochter Reno. Die Schuhhandelskette geht an den Käufer Cm.sports und an dessen Kooperationspartner GA Europe. Der Reno-Neueigentümer Cm.sports will die Filialen des Schuhhändlers weiter unter dem Markennamen Reno firmieren lassen, die Beschäftigten werden übernommen.

Die HR Group verkauft damit einen Geschäftsteil, der stark angeschlagen war – laut einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ soll bereits ein hypothetisches Insolvenzverfahren für die Reno-Kette durchgespielt worden sein. Mit der Neuausrichtung will sich die HR Group auf ihre Kernkompetenz, das Bewirtschaften von Ladenflächen, konzentrieren.

Erst kürzlich hatte die Online-Plattform Surf4Shoes, bei der die HR Group Mehrheitsgesellschafter ist, Insolvenz anmelden müssen.

 

Credit Suisse muss sich umfassend sanieren

Die Schweizer Großbank Credit Suisse steht vor einer großen Restrukturierung. Die Züricher stecken gerade in einer Krise, der Börsenwert ist zwischenzeitlich gegenüber Anfang 2020 um rund zwei Drittel eingebrochen. Wie die „Financial Times“ im September berichtete, will sich die Bank deshalb umfassend restrukturieren und in drei Unternehmensteile aufspalten. Die Vorschläge, die dem Verwaltungsrat der Gruppe unterbreitet wurden, sehen die folgende Aufteilung vor: Das Beratungsgeschäft der Credit Suisse soll ein eigener Unternehmensteil werden, zudem soll eine „Bad Bank“ für risikoreiche Vermögenswerte abgespalten werden, als dritter Teil verbleibt das restliche Geschäft. Details zu der Aufspaltung sollen am 27. Oktober bekannt werden.

Als weitere Optionen zur Sanierung und Kapitalbeschaffung stehen noch eine Kapitalerhöhung und ein Verkauf von Geschäftsteilen im Raum. Die Credit Suisse hat bereits einen Teil ihres Geschäfts mit verbrieften Produkten zum Verkauf gestellt. Zudem erwägt die Großbank laut „Bloomberg“, einen externen Investor für das Beratungsgeschäft ihrer Investmentbank zu suchen.

 

Weitere Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Die Dücker-Gruppe, ein Maschinenbauer aus Langenfeld, befindet sich im Schutzschirmverfahren. Konkret hat das Unternehmen für die drei Gesellschaften Dücker Group, Dücker conveyor systems sowie Dücker Förder-Systeme ein Schutzschirmverfahren eingeleitet. Als Grund gab das Unternehmen vorrangig das Aufstauen und die Verschiebung von Projekten aufgrund der Corona-Pandemie an.

Der Personalvermittler TTP Germany und dessen Konzernmutter TTP Holding haben wegen  Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag gestellt. Laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé (Jaffé) sei die Ausgangslage bei Insolvenzantragstellung „äußerst schwierig“ gewesen. Der Umstand, dass aus der Gesellschaft TTP Germany erhebliche Liquidität abgeflossen sein soll, sei laut Jaffé „Gegenstand einer forensischen Untersuchung“.

Das Gießerei-Unternehmen Heger Gruppe ist insolvent. Laut dem Unternehmen sind alle vier eigenständigen Unternehmensteile von der Insolvenz betroffen. Die drei Teilunternehmen HegerPro, Heger Guss und Heger GGD befinden sich in der Regelinsolvenz, die HegerFerrit, Kern der Heger Gruppe, befindet sich in der Eigenverwaltung. Als Ursachen für den Insolvenzantrag gab das Unternehmen gestiegenen Energie- und Materialkosten sowie einen Auftragseinbruch aus der Windenergiebranche an.

Der Seifenhersteller Kappus aus Heitersheim befindet sich in einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Laut dem Generalbevollmächtigten Philipp Grub (Grub Brugger) suche man nach einer raschen Investorenlösung für das Traditionsunternehmen. Für Kappus ist es bereits die zweite Insolvenz innerhalb weniger Jahre. Auch 2018 hatte das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden müssen, als Konsequenz war Kappus 2020 an die Beteiligungsgesellschaft Ad Astra verkauft worden.

 

Distressed M&A-Deals

Der Verpackungshersteller Schur Flexibles hat sich umfassend finanziell restrukturiert und firmiert künftig unter dem Namen Adapa. Schur Flexibles war in der ersten Jahreshälfte in eine Finanzmisere geraten, in Konsequenz dessen wollten die Finanzierungsgeber das Unternehmen von den bisherigen Eigentümern B&C Industrieholding und Lindsay Goldberg übernehmen. Diese Übernahme durch die Kreditgeber ist nun abgeschlossen. Zudem wurden bis zu 75 Prozent der ursprünglichen Bankverbindlichkeiten des Unternehmens erlassen. Durch die Rekapitalisierung konnte der Verschuldungsgrad der Gruppe auf ein branchenübliches Niveau gesenkt werden. Darüber hinaus stellten die Kreditgeber 160 Millionen Euro frisches Kapital zur Verfügung.

Devolo, ein auf sogenannte PowerLAN-Heimvernetzungen spezialisierter Hersteller, kann sein Schutzschirmverfahren nach sechs Monaten beenden. Das Unternehmen wird von der eigenen Gesellschaft der Familie des Gründers und CEOs Heiko Harbers zum November übernommen.

Das Insolvenzverfahren der Gzimi Garten- und Landschaftsbau kann aufgehoben werden. Die Sanierungslösung für das Unternehmen besteht in einer Übernahme durch das Landschaftsbauunternehmen Iverde. Rechtsanwalt Wolfgang Bernhardt sagte: „Wir erwarten eine Quote im zweistelligen Bereich für die Gläubiger.“

Das insolvente Softwareunternehmen Emnos aus München wird im Rahmen einer übertragenden Sanierung von der Beteiligungsgsellschaft AB Invest übernommen. Der Betrieb firmiert künftig unter dem Namen Emnos Analytics GmbH. Emnos befand sich seit Anfang September in der Insolvenz. Das Verfahren war laut Insolvenzverwalter Pluta komplex, da sich die deutsche Mutter in einer Regelinsolvenz befand und das französische Tochterunternehmen in einem Insolvenzverfahren nach französischem Recht. Ein Verfahren in Frankreich unterscheidet sich deutlich von einem deutschen Insolvenzverfahren. So musste auch ein französisches Gericht der Investorenlösung zustimmen. Zudem wurde mit AB Invest ein Investor gefunden, der sowohl die deutsche Mutter als auch die französische Tochter übernahm.

Für Teilbereiche der insolventen Wiking Helikopterservice wurde eine Investorenlösung gefunden. Das Unternehmen Northern Helicopter aus Emden und verbundene Unternehmen übernehmen zum 15. Dezember 2022 den Werftbetrieb, den Bereich Continuing Airworthiness Management Organisation (CAMO), den Bereich Approved Training Organisation (ATO) und den Bereich Seelotsenversatz. Rund 50 Beschäftigte werden übernommen. Die weitere Sparte „Notfallrettung“ war bereits vor Antragstellung stillgelegt worden. Der Bereich „Crew-Change“ wird noch bis Jahresende fortgeführt und anschließend stillgelegt.

 

Beendete Insolvenz- und Sanierungsverfahren

Seit Ende September ist das Schutzschirmverfahren von Cordenka beendet. Der Hersteller von technischem Rayon für Autoreifen konnte sich erfolgreich sanieren und ist nun schuldenfrei. Cordenka hatte Anfang dieses Jahres ein Schutzschirmverfahren beantragt und damals steigende Energiekosten und weltweite Lieferengpässe als Gründe angegeben.

 

Weitere Restrukturierungen und Branchen-News

Die Zahl an Unternehmensinsolvenzen steigt. Laut dem Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag die Zahl an Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften 34 Prozent über dem Vorjahreswert, betroffen waren rund 760 Unternehmen. Das IWH hatte im August ursprünglich einen Anstieg der Insolvenzen von „nur“ 25 Prozent prognostiziert. Die Zahl werde in den nächsten Monaten weiter steigen, für November könnte man laut IWH sogar 40 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr sehen.

Weltweit gibt es immer mehr börsennotierte Zombieunternehmen. Wie eine Studie des Beratungshauses Kearney analysierte, hat die Zahl der Zombies, also Unternehmen ohne funktionierendes Geschäftsmodell, im vergangenen Jahr um 11 Prozent auf rund 2.000 Unternehmen zugenommen. Besonders stark ist das Wachstum der „untoten“ Unternehmen im Retail-Sektor. Auch in Deutschland hat die Zahl der Zombies zugenommen.

Der Toilettenpapiersteller Hakle, der im September Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden musste, meldet erste Erfolge bei der Investorensuche. „Innerhalb weniger Tage haben uns fast zwei Dutzend potenzielle Investoren ihr Interesse signalisiert“, sagt Hakle-Geschäftsführer Volker Jung der „Wirtschaftswoche.“ Hakle versucht, einen kapitalstarken Investor zu finden, um den Standort zu stärken und den Geschäftsbetrieb weiterzuentwickeln.

Das Luxemburger Unternehmen Metalcorp Group kann seine am 2. Oktober fällig gewordene Anleihe 2017/2022 nicht zurückzahlen. Auch eine zeitgleich fällige Zinszahlung leistete das Unternehmen erst mit einem Tag Verspätung. Metalcorp will den Anleihegläubigern nun eine Laufzeitverlängerung von bis zu einem Jahr sowie einen auf 8,5 Prozent erhöhten Zinssatz anbieten.

Der Automobilzulieferer Woco hat eine umfassende finanzielle Restrukturierung abgeschlossen. Die Gruppenfinanzierung besteht aus einem Konsortialkredit, einem Schuldscheindarlehen sowie bilateralen Linien im In- und Ausland. Vertreter auf Bankenseite waren die Commerzbank, die Deutsche Bank sowie die Landesbank Baden-Württemberg.

 

 

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