Eterna will Gläubiger-Dilemma mit StaRUG-Verfahren lösen

Eterna will Gläubiger-Dilemma mit StaRUG-Verfahren lösen. Eine präventive Sanierung im StaRUG-Verfahren soll den Hemdenhersteller Eterna retten. Die Gesellschafter um den Finanzinvestor Quadriga haben Zugeständnisse angekündigt. Und auch die Anleihegläubiger sollen herbe Einschnitte in Kauf nehmen.

Der Modehersteller Eterna geht die finanzielle Neuaufstellung seiner Holding an: Eine präventive Sanierung nach dem StaRUG-Verfahren soll den Neustart ermöglichen. Das erst seit Jahresanfang nutzbare Verfahren, das Eterna noch in dieser Woche gerichtlich beantragen will, könnte einen Ausweg aus einer Situation schaffen, die sich zuletzt völlig festgefahren hatte: Eterna musste mit gleich zwei Gläubigergruppen unangenehme Gespräche führen, den Schuldschein- und den Anleihegläubigern.

Das Dilemma: Eterna hat einen Schuldschein im Volumen von 25 Millionen Euro auf operativer Ebene der Eterna Mode GmbH ausstehen. Hinzu kommt eine unbesicherte Mittelstandsanleihe über ebenfalls 25 Millionen Euro, diese ist bei der Holding angesiedelt. Nach einem Covenant-Bruch beim Schuldschein hatten dessen Gläubiger ein außerordentliches Kündigungsrecht. Dieses wollten die Schuldscheingläubiger ruhen lassen, sofern Eterna im Gegenzug die Zinszahlungen an die Anleihegläubiger aussetzt.

Doch Eternas Vorschlag, die ausstehenden Kuponzahlungen des jährlich mit 7,75 Prozent verzinsten Bonds bis zum Ende der Laufzeit 2024 aufzuschieben, verfehlte bei den Abstimmungen unter den Anleihegläubigern zwei Mal das notwendige Quorum. 

 

Eterna-Bondgläubigern droht Schuldenschnitt

Mit Hilfe des neuen StaRUG-Verfahrens kann Eterna die finanzielle Restrukturierung nun über einen Restrukturierungsplan umsetzen. Für die Anleihegläubiger hat dies schmerzhafte Auswirkungen:

Bei der bis 2024 laufenden Anleihe ist laut Restrukturierungsplan ein deutlicher Schuldenschnitt vorgesehen. Die Forderungen der Gläubiger des 25 Millionen Euro umfassenden Papiers sollen mit einer Abfindungsquote von 10 Prozent bedient werden. Darin bereits enthalten sind laut Henning Gerbaulet, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Eterna Mode Holding, auch die noch ausstehenden Zinsen – bis Laufzeitende wären dies insgesamt noch 5,8 Millionen Euro gewesen. Für die Bondholder ist dies eine bittere Pille.

 

Uns ist es sehr wichtig, den Restrukturierungsplan einvernehmlich mit den Anleihegläubigern umzusetzen. [Henning Gerbaulet, Eterna Mode]

 

Auch wenn ein StaRUG-Verfahren grundsätzlich auch eine Sanierung gegen den Willen einzelner Gläubiger ermöglicht, will Gerbaulet unbedingt alle Beteiligten ins Boot holen: „Uns ist es sehr wichtig, den Restrukturierungsplan einvernehmlich mit den Anleihegläubigern umzusetzen. Dies ist unser oberstes Ziel“, betonte er gegenüber FINANCE. Die Verhandlungen mit den Anleihegläubigern sollen in den kommenden Wochen geführt werden, ihr gemeinsamer Vertreter ist Rechtsanwalt Klaus Nieding. Bis Mitte September soll der Restrukturierungsplan im Idealfall umgesetzt sein.

 

Neue Finanzspritze von Quadriga

Neben den Anleihegläubigern gibt es mit dem Hauptgesellschafter Quadriga noch einen weiteren großen Gläubiger. Das Frankfurter Private-Equity-Haus hält mehr als 80 Prozent an dem Modehersteller und hat Eterna bereits seit 15 Jahren im Portfolio – für PE-Verhältnisse eine extrem lange Haltedauer. Weitere Anteile liegen etwa beim Management um CEO Gerbaulet.

Quadriga hat sich bereits zu weiteren Zugeständnissen bereit erklärt: Die Quadriga-Investoren verzichten auf Gesellschafterdarlehen in Höhe von insgesamt 32,3 Millionen Euro. Zudem stellt der Mittelstandsinvestor Eterna zusätzliches Eigenkapital bereit. Aus diesen Mitteln sollen die Quotenzahlungen an die Bondholder geleistet werden, außerdem dienen sie der Finanzierung des operativen Geschäfts. 

 

 

Allein für die 10-prozentige Quotenzahlung auf die 25 Millionen Euro schwere Anleihe müsste Quadriga noch einmal 2,5 Millionen Euro bereitstellen. Bei den Zusagen für die Finanzierung des operativen Geschäfts handelt es sich nach FINANCE-Informationen um eine Hilfe zur Umlauffinanzierung in Höhe von 4 Millionen Euro. Die frischen Mittel über insgesamt 6,5 Millionen Euro stammen aus einem Nachfolgefonds jenes Vehikels, über das Eterna 2006 erworben wurde.

An den Beteiligungsverhältnissen von Eterna ändert sich durch die finanzielle Restrukturierung gemäß dem nun vorliegenden Restrukturierungsplan nichts. In anderen Fällen gehen ähnlich gelagerte Transaktionen mitunter auch mit einem Debt-Equity-Swap einher, der die Gesellschafter dann einen Großteil ihrer Anteile kostet.

 

Eterna kommt mit Schuldscheingläubigern voran

Die Gruppe der Schuldscheingläubigerscheint ist von dem StaRUG-Verfahren nicht direkt betroffen, da der Schuldschein nicht von der Holding, sondern der operativen Eterna-Gesellschaft begeben wurde. Dennoch haben die Schuldscheininhaber seit dem Covenant-Bruch einen Hebel gegen Eterna in der Hand.

Doch die Bedrohung von dieser Seite scheint vorerst gebannt zu sein: Man habe im „engen und konstruktiven Austausch“ mit den Schuldscheingläubigern sichergestellt, dass die StaRUG-Sanierung keinen Kündigungsgrund beim Schuldscheindarlehen auslöse, versichert Eterna. Die Gläubiger hätten zudem „zu erkennen gegeben“, dass sie „grundsätzlich weiterhin bereit sind, die operativ tätige Eterna Mode GmbH als Finanzierungspartner zu begleiten“. Das operative Geschäft von Eterna Mode läuft während der Bilanzrestrukturierung der Holding uneingeschränkt weiter. 

 

Eterna könnte StaRUG-Leuchtturmfall werden

Eterna verweist in der Unternehmensmitteilung auch auf ein kürzlich beauftragtes IDW-S6-Gutachten, auf dessen Erstellung die Schuldscheingläubiger gedrängt haben sollen. Dieses habe bestätigt, dass zwar das operative Krisenmanagement erfolgreich sei, jedoch die Passivseite der Bilanz saniert werden müsse. Finanzielle Restrukturierungen gelten als klassisches Einsatzfeld des StaRUG-Verfahrens, das demgegenüber fast keine Erleichterungen für operative Restrukturierungen bietet.

Der Hemdenhersteller könnte nun – wenn auch nicht freiwillig – zum Leuchtturmfall des noch jungen Verfahrens werden. Eterna ist der bislang namhafteste bekanntgewordene StaRUG-Fall. Für das Verfahren gab es auch aufgrund der historisch niedrigen Restrukturierungszahlen bislang noch kaum Anwendungsfälle. Im ersten Halbjahr gab es in Deutschland nach übereinstimmenden Schätzungen verschiedener Experten weniger als zehn Verfahren.

Im Gegensatz zu klassischen Insolvenzverfahren kann eine präventive Sanierung nach dem StaRUG zudem nicht-öffentlich ablaufen. Zu den wenigen öffentlich bekannten Fällen zählt das präventive Sanierungsverfahren des schwäbischen Autozulieferers MGG. Eterna könnte nun der erste Fall werden, der breite öffentliche Beachtung findet.

 

Eternas Geschäft leidet unter Corona-Folgen

Eterna will das Verfahren in den kommenden Tagen gerichtlich beantragen. In der Regel prüfen Restrukturierer schon im Vorfeld, ob und in welcher Konstellation sie die erforderliche Mehrheit für einen Restrukturierungsplan bekommen können. In Fällen, in denen dies nicht aussichtsreich erscheint, wichen die Betroffenen zuletzt von vornherein auf andere Verfahren aus.

Eterna, im Geschäftsjahr 2019 nach eigenen Angaben noch mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro und einer Ebitda-Marge von mehr als 12 Prozent unterwegs, war von der Coronakrise hart getroffen worden. Nach dem Geschäftsjahr 2020 stand auch das erste Halbjahr 2021 noch im Zeichen weitreichender Shutdowns: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ging der Umsatz in der Eterna-Gruppe gegenüber dem Vorjahr von 40,9 auf 28,5 Millionen Euro zurück, ein Einbruch um fast ein Drittel. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel mit minus 2 Millionen Euro sogar negativ aus.

Im Vorjahreszeitraum, der zumindest zum Jahresanfang 2020 von Corona noch weitgehend unbeeinflusst war, hatte Eterna noch ein Plus von 4 Millionen Euro verbuchen können. Eternas liquide Mittel waren zum 30. Juni 2021 auf 6,4 Millionen Euro abgeschmolzen (30. Juni 2020: 12 Millionen Euro).

 

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