Unilever im Interview: Warum Produktdaten heute ein strategischer Erfolgsfaktor sind
Warum Unternehmen Produktdaten neu denken müssen
Produktdaten sind längst mehr als reine Stammdaten. Sie bilden die Grundlage für effiziente Prozesse, erfolgreiche Omnichannel-Strategien, schnelle Produkteinführungen und zunehmend auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Dennoch kämpfen viele Unternehmen nach wie vor mit fragmentierten Datenstrukturen, unklaren Verantwortlichkeiten und fehlenden Standards.
Im Vorfeld der PROKOM Data Days haben wir mit Katrin A. Niehoff über die Transformation von Produktdaten zu integriertem Content Management, den Weg zur „One Version of the Truth“ und die Rolle von Daten als strategischem Wettbewerbsvorteil gesprochen. Im Interview erläutert sie, welche Herausforderungen Unternehmen heute bewältigen müssen und welche Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige Daten- und Prozessharmonisierung entscheidend sind.
Über Unilever
Die Unilever GmbH gehört zum internationalen Unilever-Konzern, einem der weltweit führenden Anbieter von Konsumgütern. Mit bekannten Marken aus den Bereichen Ernährung, Körperpflege, Haushalt und Beauty erreicht das Unternehmen täglich Milliarden von Menschen weltweit. Digitalisierung, Datenqualität und effiziente Geschäftsprozesse spielen dabei eine zentrale Rolle für die erfolgreiche Steuerung globaler und lokaler Märkte.
Über Katrin A. Niehoff
Katrin A. Niehoff, heute Masterdata Strategy & Transformation Lead Europe, hat von 2021 bis Januar 2026 als Head of Product Data D-A-CH das Produktdatenmanagement bei Unilever verantwortet. Mit über 20 Jahren Erfahrung in verschiedenen Funktionen verfügt sie über umfassende Expertise in der Transformation von Stammdaten zu integriertem Content-Management. Ihr Fokus liegt auf der Entwicklung skalierbarer Daten- und Governance-Strukturen sowie der konsequenten Ausrichtung auf Business Impact. Sie treibt datengetriebene Effizienzsteigerungen und die Etablierung von „One Version of the Truth“ als Grundlage moderner Organisationen voran.

Interview mit Katrin A. Niehoff
Frau Niehoff, viele Unternehmen kämpfen noch immer mit fragmentierten Datenstrukturen. Warum ist dieses Thema aktuell so kritisch?
Heutzutage bremsen fragmentierte Datenstrukturen Unternehmen doppelt aus: operativ durch ineffiziente Prozesse und strategisch durch fehlende Transparenz. Daten werden nämlich erst dann wertvoll, wenn aus ihnen konsistente, nutzbare Informationen entstehen. Gerade in Zeiten von KI, Automatisierung und steigenden regulatorischen Anforderungen sind verlässliche Daten die Grundlage für schnelle und fundierte (Kauf) Entscheidungen.
Sie sprechen in Ihrer Keynote von „One Version of the Truth“. Was bedeutet dieses Zielbild konkret für Unternehmen?
„One Version of the Truth“ bedeutet im Produktdatenumfeld nichts anderes, als dass alle Unternehmensbereiche auf eine verlässlichen Produktdatengrundlage zurückgreifen und damit arbeiten. Nur so kann sichergestellt werden, dass Produkte überall und zu jederzeit mit den gleichen Daten & Assets dargestellt werden, in time verkaufsfähig sind etc. Entscheidungen werden dadurch schneller, transparenter und konsistenter — und das gilt z.B. auch für andere Stammdaten im Unternehmen – ob HR, Finance oder oder….
Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden auf dem Weg dorthin?
Die größten Hürden sind meist nicht die IT oder Tools, sondern gewachsene Organisationsstrukturen, unterschiedliche Verantwortlichkeiten, fehlendes Verständnis des Prozesses sowie undefinierte Standards. Der Prozess ist der cross-funktionalste Prozess in einem Unternehmen ist aber nicht klar als solcher verankert. Dh. Es gibt kein gemeinsames Verständnis, wofür diese Daten genutzt werden und welcher Mehrwert für die Firma dadurch entsteht.
Ihr Transformationsansatz basiert auf „ONE Definition, ONE System & Process, ONE Team, ONE Governance“. Was steckt hinter diesem Ansatz?
Der Ansatz zielt darauf ab, Produktdaten von Anfang bis Ende zu Denken, Komplexität konsequent zu reduzieren und Klarheit in Daten- und Prozesslandschaften zu schaffen.
„ONE Definition“ bedeutet einheitliche Definition von Produktdaten, Begriffe, Datenlogiken im gesamten Unternehmen.
„ONE System & Process“ steht für standardisierte, durchgängige Abläufe und eine gemeinsame technologische Basis.
„ONE Team“ beschreibt eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit statt isolierter Zuständigkeiten.
„ONE Governance“ sorgt für klare Regeln, Verantwortlichkeiten und Verbindlichkeit im Umgang mit Daten und Prozessen.
Wo sollten Unternehmen Ihrer Erfahrung nach beginnen, wenn sie eine solche Transformation anstoßen wollen?
Der Startpunkt liegt m.E. weniger in der Technologie als in einem klaren gemeinsamen Verständnis: Unternehmen brauchen zunächst ein gemeinsames und akzeptiertes Zielbild und eine verbindliche Definition dessen, was sie unter zentralen Produktdaten, Prozessen und Verantwortlichkeiten verstehen und was sie damit erreichen wollen. Das ist idealerweise eine Einigung auf Management Level. Darauf aufbauend lässt sich definieren, wie der Weg für das jeweilige Unternehmen aussieht.
Ein zentraler Punkt Ihrer Keynote ist die Weiterentwicklung von Stammdaten hin zu Content. Was genau verändert sich dabei?
Der entscheidende Unterschied liegt im Nutzenverständnis von Daten. Stammdaten waren lange statisch gedacht – als technische Grundlage zur eindeutigen Identifikation von Objekten im System. Und sie sind im Kopf „belegt“ Mit der Weiterentwicklung hin zu Content werden diese Daten jedoch dynamisch, kontextbezogen und geschäftsrelevant verstanden und lassen sich auch leichter für die Anforderungen an Ecom bzw. Multichannel denken, denn heute stehen sie nicht mehr isoliert im System, sondern werden angereichert, interpretiert und in unterschiedlichen Anwendungsfällen aktiv eingesetzt, intern wie extern.
Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Daten nicht nur korrekt, sondern auch kanalübergreifend nutzbar sind?
Unternehmen stellen sicher, dass Daten kanalübergreifend nutzbar sind, indem sie konsequent auf eine Quelle referenzieren, „One Version of the Truth“. Das bedeutet: eine einheitliche, zentrale und verlässliche Datengrundlage, die als Basis in allen Kanälen identisch genutzt wird.
Datenqualität ist dabei eine notwendige Voraussetzung -egal, ob man die Daten in einem oder mehreren Kanälen nutzt. Sie entsteht nicht einmalig, sondern durch klare Standards, definierte Verantwortlichkeiten und kontinuierliche Prüfung. Nur wenn Daten konsistent, vollständig und aktuell sind, können sie über alle Kanäle hinweg zuverlässig eingesetzt werden. Entscheidend ist aber zusätzlich die organisatorische Komponente: Es braucht klar definierte Verantwortlichkeiten – sowohl fachlich für die inhaltliche Datenverantwortung als auch prozessual für die Sicherstellung von Qualität, Pflege und Governance. Nur so wird aus Daten eine belastbare, unternehmensweit nutzbare Grundlage – und es muss allen im Unternehmen bekannt sein.
Sie begleiten die Transformation im europäischen Kontext bei Unilever. Wo sehen Sie aktuell die größten Hebel für mehr Effizienz im Umgang mit Produktdaten?
Die größten Hebel liegen in der Skalierung dessen, was in DACH bereits erfolgreich etabliert wurde, nun auf europäischer Ebene. Dort treffen historisch gewachsene Strukturen, unterschiedliche Verantwortlichkeiten und lokale Anforderungen aufeinander, was die Komplexität deutlich erhöht.
Im Zusammenspiel mit regulatorischer Vielfalt, GS1-Standards und der hohen Dynamik durch globale Launches und lokale Anpassungen entsteht ein sehr anspruchsvolles Veränderungsumfeld.
Die zentrale Aufgabe ist daher, eine „One Version of the Truth“ für Produktdaten europaweit zu etablieren – mit klarer Governance, eindeutigen Verantwortlichkeiten und einer Standardisierung, die lokale Flexibilität ermöglicht, ohne die Datenkonsistenz zu verlieren.
Welche konkreten Effekte können Unternehmen durch eine solche Transformation erwarten – etwa in Bezug auf Effizienz oder Time-to-Market?
Unternehmen können durch eine konsequente Daten- und Prozessharmonisierung deutliche Effekte erzielen – vor allem in Effizienz und Geschwindigkeit. Ein zentraler Hebel ist die Reduktion von manuellen Aufwänden und Medienbrüchen, da Daten nur einmal gepflegt und anschließend konsistent über alle Systeme und Kanäle genutzt werden.
Darüber hinaus verkürzt sich die Time-to-Market spürbar, insbesondere bei globalen Launches und lokalen Anpassungen, da Produktinformationen schneller verfügbar und direkt aus einer „One Version of the Truth“ heraus ausspielbar sind. Zusätzlich steigen Datenqualität und Entscheidungsfähigkeit, weil alle Bereiche auf einer konsistenten und verlässlichen Datengrundlage arbeiten.
Wie wird sich die Rolle von Produktdaten in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Wenn wir Produktdaten heute Richtung Content denken, dann ist es klar, dass es hier nicht mehr nur um Stammdaten geht. Damit entwickeln sich zunehmend von einer operativen „Verwaltungsgröße“ hin zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Sie werden künftig nicht mehr nur Systeme „füttern“, sondern als zentrale Grundlage für Automatisierung, KI-gestützte Entscheidungen und personalisierte Kundenerlebnisse dienen.
Damit steigt auch die Anforderung an Qualität, Aktualität und Standardisierung deutlich – insbesondere im Zusammenspiel mit globalen Plattformen, regulatorischen Anforderungen und einer konsequenten „One Version of the Truth“. Produktdaten werden damit zu einem aktiven Steuerungsinstrument entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Wenn Sie Unternehmen einen zentralen Rat für den Umgang mit Produktdaten und Content geben dürften – welcher wäre das?
Das Thema Produkt(stamm)daten darf heute nicht mehr als technischer Nebenprozess verstanden werden, sondern eher eine strategische Grundlage für Wachstum und Steuerungsfähigkeit. Sich damit zu beschäftigen und zu überlegen, wie sich das für das jeweilige Unternehmen gewinnbringend umsetzten lässt ist die Frage, die man sich beantworten sollte oder wie mal von einem Bekannten in der Branche gesagt wurde, „Produktdaten aufs Sonnendeck“
PIM in einem Satz?
PIM ist your (one) version of truth!
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Erleben Sie Katrin A. Niehoff live auf den PROKOM Data Days und erhalten Sie wertvolle Impulse für Ihre eigene Datenstrategie.
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📍 11. – 12.06.2026 | Düsseldorf
Das vollständige Programm sowie alle Informationen zur Anmeldung finden Sie hier: PROKOM Data Days 2026 – Programm & Tickets