Das grüne Museum 2019 – Der Nachbericht

KULTURERBE IM WANDEL: Das grüne Museum ist seit mittlerweile 9 Jahren DIE Anlaufstelle für Praktiker und Experten, Entscheidungsträger und Interessensvertreter, die sich umfassend zu Effizienz und Nachhaltigkeit in Museen, Depots und Archiven informieren möchten.

 

 

Das grüne Museum ist seit mittlerweile 9 Jahren DIE Anlaufstelle für Praktiker und Experten, Entscheidungsträger und Interessensvertreter, die sich umfassend zu Effizienz und Nachhaltigkeit in Museen, Depots und Archiven informieren möchten. Dr. Johanna Leissner, Wissenschaftliche Repräsentantin der Fraunhofer Gesellschaft, führte durch die Veranstaltung, die jährlich in 3 Städten in Deutschland und Österreich stattfindet. Mit ihrem Vortrag „Das kulturelle Erbe im nächsten EU Forschungsrahmen-Programm „Horizont Europa“ machte sie den Einstieg in das Thema „Kulturerbe im Wandel“.

Wandel erfordert immer innovative Lösungen digitaler und materieller Art. Das grüne Museum bietet die Möglichkeit von Praxisberichten aus dem Museumsbetrieb und der Wissenschaft zu profitieren, ins Gespräch zu kommen und Fragen zu diskutieren. Die Veranstaltungsreihe zählt jährlich über 180 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft, Forschung und dem Museumsbetrieb.

Auch dieses Jahr diskutierten die Teilnehmer*innen in Berlin, Wien und Frankfurt angeregt über geeignete Baustoffe, Sicherstellung des passenden Raumklimas und Filterlösungen für Zug- und Umluft. Das grüne Museum stellt somit die einzige Plattform im deutschsprachigen Raum, die Experten und Museumsangehörige zum Austausch zusammenbringt und technische Lösungen praxisnah diskutiert. Die Vorträge über bereits durchgeführte Umbaumaßnahmen und Sanierungen von Museen und anlaufenden Projekten geben den Teilnehmer*innen ein authentisches Bild über den Nutzen der neusten Gebäudetechnik.

Mit deren Überwachung im Museumsbetrieb beschäftigt sich seit vielen Jahren Prof. Dr. Simon vom Rathgen-Forschungslabor. Er zeigt auf, inwieweit „Prozess-Risikomanagement als Grundlage für präventive Konservierung“ dient und nimmt von der Luftfeuchtigkeit, der Temperatur bis über den Energieverbrauch alle Faktoren genauestens in den Blick. Die Teilnehmer*innen konnten an den Ergebnissen seiner Forschungen teilhaben. Er zeigte auch auf, wie eine Überwachung der tatsächlichen Werte und der Vergleich mit Referenzwerten gelingt.

Der Architekt Prof. Dipl. Frank Kasprusch betonte den Nutzen von „Low-Tech“ im Depotbau, während Karsten Luckow vom Lagertechnik-Spezialisten Bruynzeel im Anschluss über „Innovative Gebäudekonzepte“ für die Klimaregulierung berichtete. David Briels von der Technischen Universität München spannte den Bogen zwischen den beiden Vorträgen und stellte „Low-Tech-Gebäudekonzepte für Museumsdepots“ vor.

 

 

Nach zwischenzeitlichen Pausen, die die Teilnehmer*innen zum Netzwerken nutzten, ging es weiter mit dem oft vernachlässigten Thema, der „Kontamination der Raumluft, denn auch die „Kunst der Luftreinigung“ will gelernt sein – dazu mehr von Jose Torres (Camfil GmbH), der von Filterlösungen für Zu- und Umluft mithilfe von Aktivkohle berichtete. Diesen untermauerte er mit 3 Fallstudien aus dem internationalen Umfeld und betonte die Bedeutung der Dekontamination der Raumluft von Schadstoffen und Mikropartikeln.

Aus der Praxis für die Praxis

Weiter ging es mit Praxisbeispielen aus dem Museumsbetrieb. Auf der Veranstaltungsreihe Das grüne Museum durften die Teilnehmer*innen Praxisberichten aus dem Weltmuseum in Wien, dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum und vielen mehr lauschen.

Ing. Stefan Fleck und DI Angelika Polster vom KHM-Museumsverband boten in Wien einen Einblick in das Klimamanagement des Weltmuseums Wien bevor Gebäudeausrüster DI Leo Obkircher auf die „Cool Pflaster“-Technologie in der Feuchtmauersanierung einging.

Auf hohes Interesse traf bei der Veranstaltung in Frankfurt auch der Bericht von Dr. Phillip Gutbrod, der über die Generalsanierung des Ausstellungsgebäudes der Mathildenhöhe in Darmstadt berichtete. Nach einem kurzen Ausflug in die Historie des Weltkulturerbe-Kandidaten ging er auf die Neukonzeption der Gebäude zur Sicherstellung der Barrierefreiheit und die Nutzung von Wasserreservoirs als Wärmespeicher ein.

Die Betriebsingenieurin Astrid Köhler war für die Staatlichen Kunstsammlungen vertreten. Sie berichtete über die Sanierung der Sempergalerie im Dresdner Zwinger und die messtechnischen Untersuchungen im 1. Bauabschnitt sowie über die klimatischen Bedingungen vor und nach der Installation eines Quellluftsystems. Mit der Simulation von möglichen Szenarien im Brandfall über die tatsächlichen messtechnischen Werte im gewöhnlichen Museumsbetrieb gab sie einen umfassenden Einblick zum Projekt „Sempergalerie“.

Und was dient besser als Standort für den Abschluss der Veranstaltungsreihe als der Neubau des Historischen Museums in Frankfurt? Das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs war eines der kompliziertesten Bauprojekte in der Kulturlandschaft der Mainmetropole und galt letztendlich als Vorzeigeprojekt, von dessen Umsetzung Elisabeth Steiner vom städtischen Amt für Bau und Immobilien am Nachmittag berichtete. Die Teilnehmer*innen konnten sich im Anschluss an die Veranstaltung ganz praxisnah vom Nutzen des innovativen Gebäudekonzepts überzeugen. Denn durch die direkte Lage am Main mussten sich die Architekten nicht nur mit den Klimabedingungen beschäftigen, sondern auch mit dem Grundwasser und dem darunter aufgetauchten Staufenhafen, der letztendlich in den Entwurf eingebettet wurde.  

Den Abschluss machte Ulrike Lehnert, Restauratorin beim Römisch-Germanischen Zentralmuseum, mit ihrem Vortrag zum Umzug des Museums nach 167 Jahren. Auch ihr Vortrag mit dem Titel „Nach 167 Jahren, alles wird gut“ fand in Berlin und Frankfurt großen Anklang bei den Teilnehmer*innen und lud ein sich mit Objekterfassung, -Digitalisierung und Klimabedingungen in Depots auseinanderzusetzen.

Kulturerbe im Wandel

Alle Berichte schufen Anreize, die Themen Nachhaltigkeit im Museumsbau weiter zu verfolgen und die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Erhaltung des kulturellen Erbes zu nutzen. Die Möglichkeit des Austauschs, der Einblick in ein Arbeitsfeld, dessen Grenzen noch lange nicht erreicht sind, gibt es auch im kommenden Jahr bei Das grüne Museum!

Wir bedanken uns bei allen Ausstellern und Mitwirkenden, die die Veranstaltung begleitet haben, und freuen uns auch nächstes Jahr wieder auf Impulse aus Forschung, Wissenschaft & Praxis zu aktuellen Themen im Museumsbau.

Aufgrund der großen Nachfrage sind die Termine für 2020 schon in Planung:

  • 29. September in Berlin
  • 6. Oktober in Köln
  • 22. Oktober in München

Wir freuen  uns, Sie nächstes Jahr auf der Veranstaltungsreihe Das grüne Museum begrüßen zu dürfen.